RITUALE DER GEGENWART

Rituale der Gegenwart

Kuratiert von Jérôme Chazeix und Nina Maria Küchler

Die Ausstellung mit dem Titel „Rituale der Gegenwart“ steht in einer Reihe von inhaltlich aufeinander Bezug nehmenden Ausstellungen von SALVE Berlin seit 2016. Der kuratorische Ansatz des SALVE Teams ist entstanden aus dem Grundinteresse für „Ungreifbare“. 

Das Ritual stellt einen essentiellen Analysebegriff der Soziologie, Anthropologie und Ethnologie dar. In der Soziologie versteht man unter Ritual „Verknüpfungen von Symbolen und symbolischen Gesten in gleichbleibenden und vorstrukturierten Handlungsketten“. Die Ethnologin Mary Douglas erklärt: „in der Anthropologie spricht man gewohnheitsmäßig von ‚Ritualen’, wenn es um bestimmte Arten von Handlungen und den Ausdruck des Glaubens an bestimmte symbolische Ordnungen geht, ohne weiter zu fragen, ob der Handelnde sich dem, was er tut, innerlich verpflichtet fühlt.“[7] Die Verhaltensweisen sind dabei in hohem Maße symbolisch aufgeladen, formalisiert und standardisiert. Zudem sind sie in der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung an bestimmte Gemeinschaften oder Gruppen gebunden. Ursprünglich verstand man unter Ritual immer eine religiöse oder magische Handlung. Entscheidend scheint zu sein, daß der Hauptzweck von Ritualen nicht auf ihrer inhaltlichen Dimension beruht, sondern auf ihrer formalen. Es handelt sich dabei um „die symbolische Repräsentation, Gewährleistung und Aufrechterhaltung einer geordneten, gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeit.